Der Paso Fino stellt sich vor

Der besondere Gang

Der Paso Fino hat eine natürliche und lockere Gangveranlagung und schon die meisten Fohlen zeigen bei ihren ersten Schritten den genetisch verankerten Tölt. Die Fußfolge im Tölt ist die selbe wie im Schritt. Dies macht den Tölt zu einer sehr gleichmäßigen Bewegung, die den Reiter bequem und nahezu erschütterungsfrei sitzen lässt. Bei den verschiedenen Typen der Paso Finos, auf die im Anschluss noch genauer eingegangen wird, wird der Tölt in verschiedenen Tempi, Versammlungsgraden, Aktion und unterschiedlicher „Quickness“ gezeigt. Die „Quickness“ ist die Fähigkeit des Pferdes, den Tölt in der jeweiligen Veranlagung liegenden Geschwindigkeit der Fußfolge anzubieten. In der Regel verfügt der Paso Fino auch über Schritt, Trab und Galopp. Passtendenzen, wie man sie auch vom Isländer kennt und diesen teilweise auch gezielt für Passrennen fördert, sind beim Paso Fino nicht erwünscht. Passtendenzen sind vor allem bei Paso Finos puertoricanischen Ursprungs zu finden, da diese sehr stark auf Naturtölt selektiert wurden. Die kolumbianisch gezogenen Pferde zeigen dagegen eher einen „Trabtölt“, der jedoch mit der Gymnastizierung und Konditionierung unter dem Sattel sich mehr und mehr zu einem natürlichen Tölt entwickelt. Dies ist nicht mit dem Begriff „Eintölten“ zu verwechseln.

Die Reitweise

Grundsätzlich kann der Paso Fino in den unterschiedlichsten Reitweisen geritten und ausgebildet werden. Jedoch sollte immer auf die Leichtrittigkeit und die Klarheit und Reinheit der Gänge Wert gelegt werden. Die meisten Paso Finos werden in der traditionellen Reitweise ausgebildet, die am ehesten mit der Westernreitweise verglichen werden kann, also einer Arbeitsreitweise. Es wird auch über Zügelkontakt mit minimalen Hilfen mit den Pferden kommuniziert, jedoch ohne Druck auf den Zügel. In erster Linie werden Gewichtshilfen gegeben. Es handelt sich wohl am ehesten um Signalhilfen. Die jungen Pferde werden meist im Alter von 3 Jahren angeritten. Es wird viel Wert darauf gelegt, dass das Pferd von Anfang an seine Balance findet und gut gymnastiziert und konditioniert wird. Als Zäumung wird üblicherweise eine Kombination von „Bosal“, mit dem man die Hilfen auf den Nasenrücken gibt und „Barbada“, mit der die Hilfen auf das Kinn des Pferdes erfolgen gewählt. Ein Gebiss wird erst viel später dazu eingeschnallt.

Für viele Betrachter, denen die Reitweise fremd ist, sehen einige Übungen, um das Pferd zu gymnastizieren fremd und mitunter sogar grob aus. Zum Beispiel das „Flexen“, bei dem die Halsmuskulatur gedehnt sowie das Genick gelöst und geschmeidig gemacht wird, wird leider oft missverstanden. Das Pferd wird hierbei mit sanften Hilfen dazu gebracht, seinen Kopf und den Hals in jeweils eine Richtung zu flexen. Wenn man dabei die Zügelführung genau beobachtet, wird man sehen, dass dies normalerweise ohne festes Zerren und Festhalten erreicht wird. Auch die Versammlung, in der die Pferde später geritten werden, wird bei guter Ausbildung nicht dadurch erzielt, dass man mit einem scharfen Gebiss und viel Zügelkontakt das Pferd in diese Haltung zwingt, sondern eben durch die Gymnastizierung und Konditionierung in den Ausbildungsjahren, die dazu führen, dass das Pferd sich selber in der jeweiligen Versammlung tragen kann. Gerade beim Paso Fino wird sehr viel Wert darauf gelegt, die Pferde ohne Manipulationen (wie z.B. unterschiedliche Beschläge, Hilfszügel, Gewichte etc.) zu einem taktklaren Tölt unter dem Sattel zu führen.

Wie und wo reitet man den Paso Fino

Der Paso Fino ist außerordentlich vielseitig einsetzbar. Seine Rittigkeit und Trittsicherheit sowie der bequeme Gang machen ihn zu einem idealen Freizeit- und Wanderreitpferd. Dabei dürfen durchaus auch kleine Sprünge über Baumstämme genommen werden. Die handliche Größe, der umgängliche Charakter und die Menschenbezogenheit lassen den Paso Fino auch ein ideales Familienpferd und zuverlässigen Partner als Freizeitkamerad sein. Da sie, wie Anfangs erwähnt, auch früher schon als Arbeitspferde dienten und über den „Cow Sense“ verfügen, sowie wegen ihrer Rittigkeit und Wendigkeit ist es auch eine sehr geeignete Rasse für das Westernreiten. Selbst das Erlernen von Übungen der klassischen Dressur ist für den Paso Fino, der schnell lernt, möglich. Vor einer leichten Kutsche oder auch unter dem Damensattel macht er ebenfalls eine elegante, gute Figur. Und natürlich ist er das ideale Pferd, um bei Gangpferdeturnieren gezeigt zu werden. Vor allem jedoch auch wegen seiner weichen Gänge ist der Paso Fino beliebt bei Reitern, die Rückenprobleme oder sogar Bandscheibenschäden haben (oder solchen vorbeugen möchten) sowie für den Einsatz des therapeutischen Reitens. Durch die Auswahl der verschiedenen Typen, findet jeder Reiter – vom Anfänger bis zum Profi – das passende Pferd.